Freitag, 4. März 2016

Drive-By

Ich heiße Indigo Munyez, mein voller Name lautet Indigo Torres Santiago Munyez. Ich bin bei der Highway Patrol und war an diesem sonnigen Samstag-Vormittag auf der Route 66 im südlichen Nevada eingeteilt. Und um es vorweg zu nehmen, ich bin im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte!
Ich fuhr also mit etwa 50 Meilen die Stunde auf der Route 66 Richtung Süden, als mich diese Frau langsam auf ihrer Harley überholte.  Ihre langen Haare flogen im Wind, sie sah zu mir rüber und lächelte, sie war bildschön und noch etwas, dass ich nicht beschreiben konnte war da, dass mir die Szenerie wie in Zeitlupe vorkommen ließ. Dann schwenkte sie kurz vor mir ein und für einen Moment verlor ich fast die Kontrolle über mein Bike. Der Fahrtwind trug mir ihren Duft aus reinsten Pheromonen zu, der in mir ein kolossales Feuerwerk auslöste, mir das Denken erschwerte. Ich sah, wie sie beschleunigte, der Abstand zwischen uns immer größer wurde und fühlte, wie sich mir das Herz verkrampfte, sich die Angst ausbreitete, sie nie wieder zu sehen. "Alter! Das gleicht ja einem Drive-By!" sagte ich leise zu mir. Ich griff nach meinem Funk:
"crrrk" "Mike twenty one für Zentrale."
"crrrk" "Hier Zentrale, sprechen sie Mike twenty one."
"crrrk" "Ich habe hier ein four eighty, verfolge eine Harley mit weiblicher Person Richtung Süden  bei Milestone 361. Drive-By.
"crrrk" "Hier Zentrale, verstanden, schicken Unterstützung!
"crrrk" "hier Adam fourteen für Mike twenty one, sind etwa 15 Meilen voraus, errichten Blockade.
"crrrk" "Mike twenty one, verstanden - Ende!
Unvorstellbar lange 3 Minuten später, kam ich an die Blockade, Adam 14 stand quer auf der Fahrbahn und die Kollegen Spence und Marc hinter ihm mit der Waffe im Anschlag. Die Lady hatte ihre Fat Boy am Fahrbahnrand abgestellt, stand mit leicht gespreizten Beinen und mit den Händen hinter dem Kopf daneben. Ich hielt etwa auf der Länge von 2 Bike's hinter ihr, stieg ab, legte Helm und Handschuhe auf die Sitzbank und ging zu ihr. "Lady, sie sind festgenommen! Sie haben das Recht zu schweigen!", sagte ich, als sie sich plötzlich nur mit dem Kopf nach mir umdrehte, mich anlächelte. Ihre Haare flogen verzögert herum und ihr Pony bedeckte dann wieder, das halbe Gesicht, so dass sie mich jetzt mit nur einem Auge ansah. "Sie haben das Recht zu Lächeln!", sagte ich, während ich ihr die Handschellen anlegte. Keine Ahnung, warum ich das sagte! Wie zufällig berührten sich unsere Finger, mich durchströmte eine Art Energie und die Knie wurden mir weich. "A..a...alles, was sie jetzt sagen, kann und wird gegen mich verwendet werden." Was zum Geier erzähle ich da?, dachte ich gerade, als Spence mit nur einem Bein aus dem Auto stieg und mir übers Dach des Autos zurief: "Hey Indy, der Scherriff fragt wo genau der Tatort ist!" "Welcher Tatort?", fragte ich verdattert zurück. Jetzt kam Marc auf mich zu und sagte:"Hey Alter! Du hast einen 480 gemeldet. In Tateinheit mit einem Drive-By!" "Hab ich nicht, nur ein 507, wegen dem Helm!", entrüstete ich mich, realisiere aber dass irgendetwas nicht stimmt. "Hab ich?", fragte ich nach. "Ja, verdammt! Hast du!", gab Marc zurück, während er der Lady die Handschellen wieder abnahm. Spence führte mich zum Wagen, reichte mir eine Flasche Wasser und sagte:"Die Hitze und dieser verdammte Helm, ich kenn das!"
"Bitte entschuldigen Sie vielmals, dieses "Staatsaufgebot" und die Unannehmlichkeiten Miss Caty!", sagte Marc zu der Lady, dessen Papiere er eingesehen hatte. "Kein Problem, hat irgendwie Spaß gemacht.", sagte Miss Caty mit einem bezauberndem Lächeln, stieg auf ihr Bike, band ihre Haare zu einem Zopf, lächelte nochmal in meine Richtung und ergänzte noch: "Bis zum nächsten Mal, Officer Indyman!" Dann brauste sie davon. Und wieder hatte ich dieses reißende Gefühl in meinem Herzen.

Sound Of Silence

Es war stockfinster, als Angelina ihre Augen öffnete. Sie musste husten und erschrak, als die im Reflex gehobene Hand direkt vor ihr an eine kalte Mauer schlug. Sie begann um sich herum zu tasten. Überall kalter Stein und ein durchweg muffiger Geruch, wie in einem feuchten Keller. In ihr begann sich schnell eine Panikattacke aufzubauen, worauf sie mit aller Gewalt gegen den Stein vor sich drückte, der dann überraschend leicht nachgab und mit lautem Krachen, gewichtig nach vorn und als ganze Platte wegfiel. Wirklich viel heller war es jetzt aber nicht geworden. Sie erkannte nur Konturen, doch je mehr sie sich anstrengte, desto mehr sah sie, als wenn ihre Augen sich langsam einstellen würden. Grünlich, alles wirkte grünlich, wie bei einem Restlichtverstärker und nach etwa eineinhalb Minuten sah sie fast wie am helllichten Tag. Sie befand sich wohl in einem Gewölbe, dass aus großen Felssteinen gemauert war. Der Boden bestand aus Sand den sie an den nackten Füßen spürte. Es gab keine Fenster, nur ein schwarzes kantiges Loch ihr gegenüber, was dann wohl der Ein- beziehungsweise der Ausgang zu sein schien.
Jetzt erst bemerkte sie diese unheimliche Stille. Sie lauschte konzentriert, dachte auch ihr Gehör würde sich gewöhnen müssen, doch nichts! Sie hörte absolut nichts! Nicht einmal das Basisrauschen ihres eigenen Blutes in den Ohren. Angelina war ein hübsches Mädchen mit großen Augen und langen dunklen Haaren, noch ein Teenager, aber man konnte schon gut sehen, was für eine schöne Frau sie zu werden vermochte. Sie sah an sich hinunter, sie war in ein langes Kleid gehüllt. Ein Kleid mit viel Tüll und Schleiern. Vorn reichte es nur bis zu den Knien, hinten hatte es aber eine Schleppe, die bis zum Boden reichte. Außerdem glühte es leicht in einem zarten Grün. Sie kannte dieses Kleid nicht, was sie zu einer viel wesentlicheren Frage kommen ließ: „Wo verdammt bin ich?“ Angie sah sich um und bemerkte noch 2 dieser aufrecht stehenden Behältnisse, wie das aus dem sie sich befreit hatte. Gerade als sie auf das erste der beiden zugehen wollte, vernahm sie ein leises Stöhnen und plötzlich fiel auch dort der Deckel mit lautem Krachen zu Boden. Heraus stolperte Isabelle, die sich offensichtlich auch erst orientieren musste, kaum etwas sah und deshalb mit den Augen plierte. Sie trug das gleiche Kleid wie Angelina, nur in einem hellen pink. Auch Isabelle war noch ein Teenager mit langen Haaren. Sie war etwas zurückhaltender, ließ sich aber gern von der quirligen und jüngeren Angelina mitreißen.
Noch während Isabelle sich orientierte fiel Angie ihr auch schon um den Hals. „Isa!“, rief sie verzückt. „Schwesterherz und wenn ich in der Hölle aufwachen würde, du lässt mich niemals allein – stimmt’s?“
„Apropos Hölle, wo zum Teufel sind wir?“ fragte Isabelle leicht verstört. Noch ehe Angelina antworten konnte, öffnete sich der dritte Steinquader. Diesmal wurde die steinerne Deckplatte aber einfach zur Seite geschoben, als sei sie aus Pappe. Zuerst kam nur ein graziler Fuß zum Vorschein, bis eine junge Dame ihm folgte. Eine junge Dame in einem Kleid, welches in einem hellen Blau leuchtete und den gleichen Schnitt aufwies, wie den der anderen beiden und auch leicht transparent aber nicht durchscheinend war. Angelina hüpfte ihr übermütig entgegen und gluckste: „Jessyca! Yay! Du siehst wunderschön aus!“ „Was?…wo sind wir?…und…wie kommen wir hier her?“, stammelte Jessyca. „Ich habe keinen Schimmer!“, erwiderte Angie. „Aber sind unsere Kleider nicht der Hammer?“, fügte sie hinzu und drehte sich wie eine Ballerina. Sie merkte dabei, wie sie auffallend leicht den Kontakt zum Boden verlor. „Wir sehen aus wie Elfen und ich fühle mich auch so leicht“, ergänzte sie noch. Jessyca war die Älteste der drei, bei Leibe nicht weniger hübsch und man sah ihr an, dass sie schon die Eine oder Andere ernstere Erfahrung gemacht haben musste, denn sie wirkte nicht mehr ganz so kindlich, fast schon Damenhaft. „Sch…, seid mal eben still“, unterbrach Isabelle die Zwei. „Hört ihr das?“ „Nein, ich höre gar nichts.“, sagte Jessyca. „Ich auch nicht!“, kam darauf von Angelina. „Eben! Ich höre gar nichts! Es ist so….so unnatürlich still, selbst zwischen euren Worten.“, fuhr Isabelle fort. Alle drei lauschten jetzt noch angestrengter in die Umgebung. Plötzlich und rasend schnell wurde Angies eben noch hübsches Gesicht zu einer diabolischen Fratze und ihre Eckzähne verlängerten sich schnell wie Springmesser. Nur für einen Wimpernschlag verschwand sie in der dunklen Ecke neben der Tür und war auch ebenso schnell wieder zurück. Sie hatte etwas gehört und das war scheinbar der Herzschlag einer Ratte, der dieses instinktive Verhalten auslöste. Diese hatte sie jetzt auf ihren Fangzähnen aufgespießt und saugte sie genüsslich und wie eine Capri-Sonne aus, wobei der Körper der Ratte auch genauso zusammenfiel. Ihre Schwestern erschraken für den Bruchteil einer Sekunde, aber nur bis sich auch ihre Gesichter in Abbilder des Schreckens wandelten, weil sie das Blut witterten. So schnell wie sie sich wandelten, war die Schönheit aber wieder in ihre Gesichter gekehrt und nur noch vom blanken Entsetzen entstellt. „Buwahh, was war das denn? Was habe ich getan?“, schrie Angie, der das Blut die Mundwinkel hinunter lief und auf ihr Kleid tropfte. Dort aber zu ihrer aller Erstaunen nicht haftete, sondern wie bei einem Lotuseffekt abperlte.
„Guten Abend, Ladys!“, ertönte plötzlich eine männliche und ziemlich raue Stimme. Die drei Schwestern rissen die Köpfe herum, wie aufgeschreckte Raubtiere. Dort stand ein gut aussehender junger Mann in der Tür, gerade soweit aus ihrem Schatten getreten, dass man seinen schwarzen Anzug erkannte, ein weißes Hemd mit offenem Kragen und seine Gesichtszüge. Er hatte die Hände in den Hosentaschen und lächelte ein wenig teuflisch, sah etwas aus, wie einer dieser Männer aus der Rasierer-Werbung.
„Ich sehe also, die Damen sind schon aufgewacht. Ich hoffe jeder einzelnen von Euch gefällt ihr Kleid? Eine Sonderanfertigung aus der Seide von extrem seltenen Seidenraupen aus Südamerika.“ Er wartete geduldig, bis die Mädchen sich wieder gefasst hatten. Dann endlich brach Jessyca die Stille und fragte: „Wo sind wir? Wer sind sie? Und….“, sie traute sich kaum zu fragen, „Was sind wir, was haben Sie mit uns gemacht?“ „Nun…“, sagte der Mann während er jetzt langsam auf sie zuging. „Wir sind hier in der Familiengruft derer DeWinter. Und was ihr seid, dachte ich, wäre schon hinlänglich geklärt.“, fuhr er fort als er ganz beiläufig das Blut mit seinem Daumen aus Angelinas Mundwinkeln wischte. Er kostete jetzt von dem Blut und auch seine Fangzähne schnellten heraus. „Oh, Ratte!“, gab er erstaunt von sich und spuckte wieder aus, als wäre dies weit unter seiner Würde. „Also eine Beute im Affekt, so so.“, gab er mit einem hämischen Grinsen von sich. „Verdammt! Willst du uns verarschen? Was zum Geier ist hier los? Und wer zum Teufel bist du?“, wurde Jessyca wütend, denn sie hatte es so gar nicht mit der Geduld. „Teufel ist gut, gefällt mir, wäre aber doch zu viel der Ehre!“, sagte er und setzte seinem Grinsen noch einen drauf. Worauf Angelina fast explodierte, was Isabelle sofort spürte und sie am Arm zurückhielt. „Mein Name ist Kilian, Count Kilian DeWinter, Aber das sagte ich ja vorgestern Abend bereits….“, ergänzte der Mann. Jessyca und Isabell blickten nach unten, suchten nach Erinnerungen, die aber gänzlich ausblieben, waren abgelenkt, während Angelina sich ganz nebenbei im Schweben übte, dass sie gerade für sich entdeckt hatte. „Fuck, wie cool ist das denn?“, sagte sie leise zu sich selbst. „…und ich bin ein Vampir!“, fuhr Kilian fort. „So wie ihr jetzt auch, was ihr sicher schon wisst, wenn ich euern Intellekt nicht überschätzt haben sollte. Mag sein, dass ihr es noch nicht so ganz wahr haben möchtet, nichts desto trotz eine unumstößliche Tatsache.“ „Aber wie....?“ ,stammelte Jessyca, worauf Kilian sie direkt unterbrach: “Wie das passiert ist? Also gut, ich erzähle es euch, zu ändern ist das sowieso nicht mehr.“ Der junge Mann hob dabei etwas seine Augenbrauen. „Ihr wart in dieser Disco, - ihr erinnert euch?“ „Dunkel!“, erwiderte Jessyca. „Jedenfalls habe ich euch dort gesehen, euren Umgang miteinander. Dieser Zusammenhalt, diese Schwesterliebe. Ihr verkörpert das, was ich mir seit über 300 Jahren wünsche, eine Familie! Nie zuvor hatte ich solch ehrliche und reine Bande gesehen, so voll von wortlosem Verstehen, wie zwischen euch Dreien. Ich wollte ein Teil dessen sein, konnte aber nicht in eure Welt, also musste ich mir etwas einfallen lassen, euch in die Meine zu holen.“ „Wixer!“, zischte Isabelle dazwischen. Unbeeindruckt erzählte Kilian weiter: „Nachdem wir uns etwas angefreundet hatten, gab ich euch von meinen…,“ er fuchtelte jetzt mit je zwei Fingern in der Luft rum, als wolle er Anführungszeichen malen, „Minzbonbons auf denen Vampirköpfe aufgedruckt waren.“ Er schmunzelte, als gefiel ihm dieser geschmacklose Witz selbst. „Die enthielten aber eine Droge, die Willenlos machte. So hatte ich keine Probleme, euch aus der Disco zu manövrieren und hier her zu bringen. Hier biss ich euch, woher übrigens der Verlust der Erinnerungen rührt. Steckte euch in diese hochentwickelten Kleider und dann in die Sarkophagen.“ „Du Schwein!“, platzte es aus Jessyca heraus. Und wie von einem stillen Kommando fielen die drei Mädchen über Kilian her, rissen ihn zu Boden, schnappten mit ihren dolchartigen Zähnen nach ihm und zerfetzten Kleidung wie auch das Gesicht mit ihren Krallen. Der Count wurde wütend, wischte sie mit einer Armbewegung von sich, so dass sie wie Puppen durch die Luft wirbelten und mit Wucht an die Wände knallten. Er stand auf, spuckte sich in die Hände und wischte sich dann über das Gesicht. Seine Wunden schlossen sich wie von Zauberhand. Er richtete sein Haar, zupfte symbolisch am Revers seines zerrissenen Jacketts, sagte: „Ich verstehe, die Damen sind etwas ungehalten, bestimmt wegen des Hungers. Aber der wird erst in etwa 3 Stunden unerträglich werden.“, schickte sich an, die Gruft zu verlassen, blieb aber nach drei Schritten abrupt stehen und ergänzte noch: „Ich wünsche eine gute Jagd! Wir feiern  Mardi Gras und wie treffend, gerade heute den Tag der Toten. Es dürfte also auch euch Anfängern nicht allzu schwer fallen Beute zu machen.“ Kilian ging und ließ die Mädchen allein.
Die Schwestern rappelten sich mit geklärten Gesichtern wieder auf, alle scheinbar unverletzt. Dennoch fragte Isabelle nach: „Geht’s euch gut? Seid ihr in Ordnung?“ „Yop, alles voll breit easy!“, kam von Angie und nur ein stummes Nicken von der Ältesten. Alle drei klopften sich den Staub aus dem Kleid. „Irgendwie ist das doch ein geiler Fummel.“, begeisterte sich Angelina nochmal. Sie rückten jetzt zusammen. „Und was nun?“, fragte Isabelle. „Ich weiß es wirklich nicht.“ erwiderte Jessyca. „Ey, lass uns jemanden aussaugen!“, flachste Angie rum, was von einem Knurren ihres Magens unterstrichen wurde. „Das ist doch wohl nicht dein ernst!?“, empörte sich Jessy. „Nööö, kam von der Jüngsten zurück, während sie mit auf dem Rücken gehaltenen Händen und wie verlegen mit einem Fuß im Sand kratzte.
„Was hatte dieser aufgeblasene Schnösel gesagt? Mardi Gras? Tag der Toten? Das feiert man in New Orleans!“, stellte Jessyca laut fest. „Darüber habe ich mal etwas im Fernsehen gesehen. Will der uns jetzt etwa erzählen wir sind in New Orleans?“, empörte es sie noch nachträglich. „Was ist Mardi Gras?“, fragte Isabelle. „Das ist Karnevalszeit in New Orleans und wenn heute der Tag der Toten ist, dann entspricht das unserem Tag der Allerheilgen, was wiederum bedeutet, dass wir zwei Tage geschlafen haben.“, antwortete Jessy. „ Es wird Zeit, dass wir uns mal draußen umsehen, realisieren wo wir wirklich sind.“, sagte sie noch, nahm die Schwestern an die Hand und stapfte Richtung Ausgang.
Die Gruft war in die Erde eingelassen, sodass die Drei ein paar Stufen steigen mussten, um auf die ebene Erde zu gelangen. Der Mond beleuchtete die gespenstige Szenerie, wirkte so hell, wenngleich er nur ein Viertel seiner Pracht zeigte. So standen sie nun, wie es aussah mitten auf einem Friedhof, auf dem die Zeit stehengeblieben zu sein schien. Alles rundherum wirkte so alt, zugewachsen aber dennoch nicht verfallen. Zu ihrer linken Seite leuchtete die Stadt in den schwarzen Himmel und sie war auch zu hören, aber sonst nichts, rein gar nichts. Kein Wind, kein Zirpen der Grillen, oder sonst ein Anzeichen von Leben. „Was für eine krass fette Location für eine Party!“, schoss es aus Angelina heraus und blickte dabei zu Isabelle, weil sie damit auf ihre leichten bis mittelschweren Anflüge auf die Gothic-Scene anspielte. Isabelle hingegen hatte hierfür gerade gar kein Auge, sie vermisste ihre Mum und war von dieser Realität so gar nicht angetan. Auch Jessy und Angie vermissten ihre Mum, sogar so sehr, dass sich das Herz wie ein Stein anfühlte. Doch Jessy hatte den Kopf voll mit der Verantwortung und Angie überspielte es mit ihrem Spieltrieb.
Die Stadt war bunt beleuchtet, Menschen in den prächtigsten Kostümen zogen durch die Straßen, andere wiederum hatten wenig an, oder entblößten ihren Busen für eine bunte Plastikkette, die dann von einem der vielen Balkone geworfen wurde. Ein ausgelassenes Treiben mit Musik, die aus jeder Ecke zu kommen schien. Jazz vermischte sich mit Blues, hier und da konnte man auch Dixie hören und überall wippten die Körper im Takt. In einer dunklen Gasse der Bourbon Street, zwischen einem Restaurant und einer Wäscherei beugte sich eine Frau über einen bewegungslosen Körper, stillte ihren Durst und hasste sich selbst dafür, obwohl er sich ihrer Schönheit selbst und freiwillig hingegeben hatte. Nicht ahnend, dass er heute seinen letzten Atemzug machen würde. So viele Jahrhunderte schon und sie konnte sich einfach nicht damit abfinden, dass für ihr Überleben andere sterben mussten. Nicht dass sie es nicht schon oft versucht hätte, aber das führte jedes Mal zu einem Massaker, einem Desaster. Denn immer wenn sie sich weigerte Nahrung aufzunehmen, wandelte sie der unerträgliche Hunger mehr und mehr zu einer reißenden Bestie und sie riss wider jeder Vernunft und Deckung jeden Menschen, der ihr in die Quere kam. Sie verzweifelte an ihrer Ohnmacht, an diesem, ihrem Kreislauf des Lebens. „Pah! Von wegen Kreislauf! Wie viele müssen ihr Leben lassen, nur damit meines nicht endet? Das ist kein Kreislauf, das ist Parasitentum!“, dachte sie sich und war sich nicht sicher, ob sie es nicht doch laut gesagt hatte. Zuerst hatte Kilian immer für sie getötet und sie musste sich nur noch bedienen, so war die Schuld nur halb so schwer, die auf ihrer Seele lastete. Sie sah es auch als seine verdammte Pflicht, denn er hatte sie erst in diese Lage gebracht. „Aus Liebe, hatte er gesagt. Aber kann es Liebe sein, wenn man einem Menschen ungefragt in ein Monster verwandelt? Ein Monster, welches anderen eben diese Abscheulichkeiten antut?“ Sie hatte Rache geschworen, sie wollte einen Ausweg finden und glaubte der Lösung nun endlich nahe zu sein. Denn sie hatte von den drei Neuen gehört, die nicht zu den Unwürdigen gehörten, sondern zu den Auserwählten, den Stammvampiren. Dann richtete sie sich auf und betrachtete sich in einem der Seitenfenster, die im Zwielicht der Gasse wie Spiegel wirkten. Sie war ein Vamp in jeder Hinsicht dieses Wortes.  „Naja gut, inneres Monster!“, sagte sie jetzt leise vor sich hin und wischte sich das Blut aus den Mundwinkeln. Sie hob ein Eisenrohr auf und schlug es dem Opfer auf den Schädel. Sie hatte gelernt, dass die Obduktionen hierzulande nicht gerade ein Paradebeispiel der Forensik waren, wenn es denn eine so offensichtliche Wunde zu geben schien. Weshalb sie dem armen Kerl auch auf der Innenseite des Armes in die Aorta gebissen hatte. Dort würde jetzt keiner mehr nachsehen und jeder würde es für einen Raubmord halten, zumal sie sich auch noch seiner Geldbörse bemächtigte. Die Frau zupfte sich ihr blutrotes Kleid zurecht, spannte ihr schulterlanges, schwarzes Haar nach hinten, ließ es wieder locker nach vorn fallen und verließ unauffällig die Gasse.

Count Kilian lief nervös zwischen Eingangshalle und Herrenzimmer hin und her. Und das waren durchaus einige Meter in diesem alten Herrenhaus einer mächtigen Baumwollplantage. Er wusste doch zu gut, auf welches Risiko er sich mit der Verwandlung der Schwestern eingelassen hatte. Er war bereit das Risiko zu tragen, so lange die Konsequenzen so weit entfernt schienen. Aber das Verhalten der Mädchen machte ihm wieder klar, wie groß die Kluft zwischen Wunsch und Realität war und wie nah doch das Genie dem Wahnsinn. Sein so vermeintlich genialer Plan barg eine immense Lücke, welche sich genau darin wiederfand, worauf er sein ganzes Augenmerk gelegt hatte, den Zusammenhalt und die unermessliche Liebe der Schwestern zueinander. Was er für sich gewinnen wollte, stellte ihm jetzt die größte Hürde da. Ihm musste schnell etwas einfallen, womit er die Ladys bändigen konnte, sich Unterstützung verschaffen, für den Schlimmsten der Fälle, dass sie sich gegen ihn wandten. „Momo!“ rief Kilian, gar nicht laut und wohl wissend, dass sich der Lakai in seiner Nähe befand. Eine hagere und gekrümmte Gestalt schnellte wie aus dem Nichts herbei und sagte mit unterwürfiger Stimme: „ Ya Master! Hier bin ich Master.“ Eine armselige Kreatur im Frack eines Dieners, dem er nicht im Geringsten gerecht werden konnte. Zermürbt vom Leben nach dem Tode, ausgemergelt und von hässlichem Ansehen, aber von Loyalität zu seinen Herren beseelt. „Spann den Wagen an und stell mir Diablo davor!“ „Ya Master, sofort Master!“ erwiderte Momo und schnellte aus dem Raum, mit einer Gewandtheit, die man ihm nicht zugetraut hätte.  Diablo war ein schwarzer und stolzer Rappe, das Pferd, das von dreien am wenigsten Angst vor den Vampiren hatte und sogar vor dem Count nicht unruhig wurde. Die anderen acht Pferde waren nur von den Sklaven, den Unwürdigen nutzbar, die noch halb menschlich waren und nur von der Gnade ihres Herren abhängig waren. Die sich von dem Fleisch seiner blutleeren Opfer ernährten und über dies mit nur sehr wenig davon auskamen. Ihre natürliche Scheu machte die anderen acht Pferde für die Vampire selbst unbrauchbar. Keine fünf Minuten später saß Kilian auf dem Einspänner und trieb ihn Richtung Stadt. Der Count hasste Autos, vielleicht weil er immer etwas der Vergangenheit nachhing.

Claire, die Dame in dem blutrotem Kleid strich suchend durch die Straßen, wollte die Auserwählten finden, bevor es für ihren Racheplan zu spät war. Sie bewegte sich zielstrebig in Richtung des Friedhofes, denn von dort mussten sie ja kommen, wenn sie Momos Gestammel, den sie mit einem Stück Menschenfleisch bestochen hatte, richtig interpretierte. Claire hätte ihn bestimmt nicht bestechen müssen, denn Momo's Loyalität galt vor allem Ihr, die sie schließlich als Stammvampir auch eine Herrin ist, aber doch vor allem wegen seiner schon als Mensch währenden Liebe zu ihr. Sie kämpfte sich durch den Pulk von Menschen, die ihr entgegenströmten, stieg hier und dort auf einen Treppenabsatz, um die Straße in ihrer gesamten Breite zu überschauen, blieb auch kurz mal stehen, um in die Menge zu lauschen, aber es waren eindeutig zu viele Nebengeräusche. Am Ende des Ortes angekommen machte sich Enttäuschung in ihr breit. Sah immer und immer wieder hinter sich mit fast schon verzweifeltem Blick, Angst sie verpasst zu haben. Dann wieder Richtung Friedhof. Und als sie glaubte, die Drei doch verpasst zu haben, flammte ihre Hoffnung mit dem erkennen dreier Gestalten aus dem Dunkel und in der Ferne wieder auf. Ja, jetzt war sie sich sicher. Zart glimmende Kleider, das war Kilians Handschrift! Genau solche Kleider, wie sie auch eines trug. Und eins musste sie ihm lassen, diese Fummel waren nicht nur zweckmäßig, sondern auch zeitlos geschnitten und dabei noch märchenhaft feminin. „Obwohl ich mir doch lieber eine Kluft in Leder ausgesucht hätte.“, fügte sie leise flüsternd hinzu.
„Ja Hallo ihr Hübschen!“, sagte sie fast schon zynisch. Claire stieß sich mit einem Fuß vom Boden und nach vorne ab, schwebte jetzt einmal um die drei Mädchen herum. „Ey voll breit! Wie cool ist das denn?“, kam es Angie über die Lippen.
„Ich bin Claire! Und ihr seid weitaus bezaubernder, als man es mir berichten hätte können! Aber ja, ich spüre deutlich, weshalb Kilian gerade euch auswählte!“, änderte Claire jetzt ihren Tonfall mit dem Augenmerk auf das gegenseitige Händchenhalten der Drei. „Ich war zu anderen Zeiten Kilians Verlobte, bis er mich aus reinem Egoismus zu dem machte, was auch ihr jetzt seid. Doch kommen wir auf den Punkt. Wollt ihr wieder Menschen sein? Unversehrt unter eures Gleichen? Die Familie wiedersehen?“, fragte sie. „Ich weiß, euer Hunger ist geradezu ungnädig und erschwert das Denken, aber überlegt es wohl.“, ergänzte sie noch und hielt jetzt gespannt inne. „Ja, das wollen wir! Zurück zu unserer Mutter!“, sagte Jessy schnell und war sich der Spitze durch das Wort Mutter, die jetzt in die Herzen der Schwestern traf wohl bewusst. „Ja, was müssen wir dafür tun?“, fragte Isabelle schnell nach, bevor das Gespräch vielleicht die Richtung ändern würde.
„Gut! Zuerst müsst ihr eurem Hunger noch eine Weile widerstehen! Denn der wird euch die nötige Kraft verleihen.“ „Welche nötige Kraft? Müssen wir jemanden töten?“, fragte Jessyca entsetzt. „Ja – Kilian!“, gab Claire knapp zurück. „Wir hatten schon das Vergnügen, konnten ihm aber nicht wirklich etwas anhaben. Er hat uns weggewischt wie Unrat auf dem Tisch.“, erwiderte Isabelle. „Das kann ich mir gut vorstellen, aber ihr müsst wissen, dass bei den Vampiren tatsächlich die Frauen das stärkere Geschlecht sind und er sich garantiert mit einem Opfer gestärkt hat, bevor er zu euch in die Gruft kam.“, erklärte Claire. „Ja, aber sagtest du nicht gerade, wir sollten hungern?“, fragte Jessy nach. „Richtig! Aber aus zweierlei Gründen: Ein Vampir ist am stärksten, wenn er gerade frisches Blut hatte, doch noch stärker aus der Verzweiflung des Hungers, wenn er zur reißenden Bestie wird. Außerdem dürft ihr, wenn ihr euch zurückwandeln wollt, eure Seelen noch nicht mit dem Blut eines Opfers verunreinigt haben.“, erklärte Claire weiter. „Äh… und wie ist das mit Ratten? Zählen da auch Ratten? Ich meine so als Opfer?“, fragte Angie sichtlich besorgt. „Nein, ich denke nicht. Im Buch der Vampire steht nur, dass man sich gegen seines Gleichen, in diesem Fall also nur dem Menschen versündigt.“, beruhigte die Dame in rot sie. Angelina fiel hörbar ein Stein vom Herzen, aber ganz wollte das Unwohlsein nicht verschwinden. Isabelle spürte das und drückte ihre Hand.
„Und was ist jetzt genau der Plan?“, fragte Jessy ungeduldig. „Am einfachsten wäre es sicherlich, wenn wir bis zum Morgen warten und Kilian sich zur Ruhe begibt, aber das werdet ihr nicht durchhalten. Ich kenne das! Also müssen wir jetzt aktiv werden. Für einen Plan war und ist keine Zeit. Wir machen uns auf den Weg zu seinem Anwesen, westlich und etwa 10 Meilen von hier, checken die Lage und müssen improvisieren.“, erklärte Claire die Lage sichtlich besorgt. „Und? Wie kommen wir dahin? Hast du einen Wagen oder nehmen wir uns ein Taxi?“ hakte Jessyca nach. „Wir gehen zu Fuß! Keine Sorge, das ist leichter, als ihr denkt.“, sagte die in Rot, als sie die offenen Münder der Mädchen sah. „Ihr stoßt euch etwas von der Erde ab und gebt euch einen Schwung nach vorn, so schwebt ihr mindestens um die 50 Yards in diese Richtung. Ist kinderleicht und wie Roller fahren.“, fügte sie noch hinzu. Sie machte eine Handbewegung, mit der sie in die Richtung wies und die Schwestern voran bat. So schwebten sie mehr als dass sie liefen in Richtung Westen.

Der Count war längst schon bei Chicken-George angekommen. Er war der im Rang höchste Voodoo-Priester landesweit und ein mächtiger Mann, der sich dem Bösen verschrieben haben soll. Von ihm erhoffte Kilian sich die nötige Unterstützung für den Fall, dass ihm sein Plan förmlich um die Ohren flog. Selbst den Grafen schauderte es ein wenig, ob dieser finsteren Umgebung. Der gesamte Vorhof dieser Hütte glich einem Schlachthaus. Überall lagen Knochen herum. Schalen mit Blut oder abgetrennten Extremitäten von Hühnern und Ziegen. Seltsame Symbole waren mit Kreide und Blut an die Wände geschmiert. Rhythmisch aber monoton klangen die Trommeln und um das große Feuer tanzten willenlose Gestalten  stampfend und mit grauen Augäpfeln und ohne Pupillen. Gleich hinter dem Eingang der Hütte hing eine Fackel schräg von der Wand, um die man einen kleinen Bogen machen musste, wenn man sich nicht seines Haupthaares entledigen wollte. Weiter im Inneren war alles mit unzähligen Kerzen beleuchtet, als wenn es hier kein elektrisches Licht gäbe. Doch auch so weit draußen gab es das. Die Kerzen dienten wohl lediglich der Verbundenheit zur Tradition und verfehlten auch ihren mystischen Effekt nicht. Der dunkelhäutige George saß inmitten dieses Arrangements, trug einen Hut aus dem Chicago der 20er Jahre mit einem Hutband aus Bärenkrallen und Lederbändern, einen traditionell gewebten Poncho und um den Hals eine Kette aus Zähnen und kleineren Knochen. Die Haut an seinen nackten Armen und im Gesicht war tätowiert, nach altem Brauch geritzt und gestochen. Der silberne Nasenring blitzte im Licht der Kerzen und das weiße in seinen Augen sah gespenstisch aus, als er jetzt zum Grafen aufsah. „Count Kilian! Was verschafft mir die Ehre eures Besuches?“, sagte dieser jetzt von seinem Landesherren sichtlich unbeeindruckt und machte einfach weiter, mit dem was er gerade tat, als wäre auch Kilian nur einer seiner täglichen Bitsteller. „Die Zeit drängt mich, also komme ich ohne Umschweife zur Sache, wenn du einverstanden bist, Priester.“ „Ich bitte sogar darum, es mag euch nicht so scheinen, aber auch ich habe Verpflichtungen!“, erwiderte George und wies mit einer Handbewegung um sich.
Nachdem nun der Count von seiner misslichen Lage berichtet - und er Chicken-George um Hilfe gebeten hatte, stand dieser dürre schwarze Mann auf, tippte sich mehrfach an den Nasenring, wie er es immer machte wenn er nachdachte und fragte:"Was ist mit euren Willenlosen? Könnt ihr die nicht einsetzen?" "Nur zu gerne würde ich das tun, aber diese stumpfsinnigen gehorchen jedem Stammvampir, also nicht mir allein!", gab Count DeWinter frustriert zurück. "Und wie wollt ihr mich denn für meine Dienste entlohnen, wenn ich euch denn helfe? Ihr habt nichts, was ich begehren würde. Es sei denn...",hielt er kurz inne. "Es sei denn, ihr würdet auch mir das Geschenk der Unsterblichkeit zukommen lassen!"
Der Priester wusste nur zu genau, dass er mit dieser Forderung hoch gepokert hatte, schließlich bezog er sich nur auf Kilians Aussagen und wenn eben dies in seiner Macht lag, was würde den Grafen abhalten, ihm jetzt und hier die Kehle zu zerreißen? Außer, er brauchte ihn unabdinglich. Kilian sah zu Boden, als suche er die Antwort vor seinen Füßen, doch er dachte kurz nach, ob er das Risiko eingehen könne, diesen verschlagenen Mann zu einem Stammvampir zu machen, ob er nicht ein Übel mit dem Anderen tauschen würde. Er sah auf und nun direkt in die Augen von George und sagte mit steinernem Gesicht und drohender Stimme :"Gut! Wir haben einen Vertrag. Und komme nicht auf die Idee mich jemals hintergehen zu wollen, denn dann werde ich dich Kopflos und mit dem Halse nach unten hier an deine Hütte nageln und ausbluten lassen, wie du es mit unzähligen Hühnern gemacht hast, Priester! Dieser spuckte sich in Hand und reichte sie Kilian zur Besiegelung, der seine danach leicht angewidert im Gehrock abwischte. "Ich nehme nicht an, das ihr persönliche Dinge jeder einzelnen der jungen Damen habt? Im Idealfall Dinge mit persönlicher Bindung oder genetischem Material?", fragte der schwarze Mann, während er 4 kleine handgemachte Puppen aus einem Weidenkorb fingerte, weil im Bericht Kilians auch von Claire die Rede war, und diese Puppen begann mit einer Schicht aus Wachs zu überziehen. "Nein....Doch halt! Ich habe ihre vorherigen Kleider und in diesen haben sie ausgiebig in einer Disco getanzt. Also wird sicher etwas DNA oder Haare daran zu finden sein!", erwiderte der Count. "Großartig! Dann lasst uns aufbrechen, ich habe noch etwas vorzubereiten.", sagte der Voodoo-Priester und verließ auffordernd vor dem Grafen die Hütte.

Isabelle und Angelina waren etwas zurückgefallen, weil sie ihren Spaß am Schweben hatten. So stießen sie sich ab, umarmten sich und  tanzten zusammen während sie voran schwebten. Oder Angie streckte eine Faust aus, streckte sich selbst nach vorn und tat, als wäre sie Supergirl. Und Isa drehte Pirouetten, bis ihr schwindelig wurde. Sie kicherten in einem zu. Bei Jessy sah es aus, als hätte sie sich nie anders fortbewegt.
"Claire, sag mir warum hören wir nichts? Warum ist es so still um uns herum?", fragte Jessy nach einer langen Weile des Schweigens. "Wir nennen es Den Klang der Stille.", Claire sagte es, als gefiel es ihr. " Weil die Natur aus Angst vor unserer Abnormität inne hält. Du hörst nicht einmal dein eigenes Blut, weil dein Herz nur etwa 10 Mal in der Minute schlägt,  damit es uns möglich ist, den Herzschlag unserer Beute besser wahrzunehmen und weshalb man uns übrigens für tot hält. Alle Geschöpfe schweigen, sie spüren unsere Anwesenheit, fürchten uns. Selbst der Wind vergisst das Rauschen der Blätter weiter zu tragen. Nur nicht der Mensch, er hat seine Instinkte vergessen, klammert sich immer mehr aus, aus der Natur! Unser Vorteil!", fügte Claire noch schnell und hämisch grinsend hinzu. Noch einmal knackte es im Unterholz, weil Isa sich vom Boden abstieß, als die 4 Vampirinnen nun das Anwesen erreichten. Sie hockten sich hin, dort wo der Wald das Grundstück säumte. Glimmen ihre Kleider auch nur sehr zart, so sehen sie dort doch noch aus, wie eine Party-Beleuchtung mit der schwärze des Waldes in ihren Rücken, weshalb Claire sie schubste, anwies hinter die Büscher zu kriechen. "Wer sind diese Gestalten da, sie wirken desorientiert, als wüssten sie nicht, was sie tun sollten?", fragte Jessyca leise. "Das sind die Willenlosen, die braucht ihr nicht zu fürchten, die gehorchen euch aufs Wort. Es gibt 3 Stadien, wenn man gebissen wird: Tot, Willenlos, oder so wie wir, die Stammvampire, je nachdem, wie weit der Vampir sein Opfer aussaugte. Schon mal was von Zombies gehört?, flüsterte Claire. "Ja natürlich!", erwiderte Jessy. "Sie sind nicht, wie man euch glauben macht Kreaturen des Voodoo, sie sind halbgegorene Vampire, sie können ihren Blutdurst nicht kontrollieren, wissen es nicht und fressen deshalb einfach das Fleisch der Menschen, obwohl sie nur das Blut benötigten.", erklärte Claire weiter, als plötzlich bei Jessyca und Isabelle die Fratze des Vampirs zum Vorschein kam, nicht lange, nur für kleine Augenblicke, wie beim Flackern eines Fernsehers. "Reißt euch zusammen Ladys! Denkt an eure Mum!",zischte Claire. Und tatsächlich wirkte dieses Wort "Mum" wie ein Schalter. "Der Einspänner ist nicht da! Ich vermute Kilian ist unterwegs. Kommt!", drängte sie jetzt, stellte sich aufrecht hin und ging, als sei es normal, einfach in Richtung des Haupteingangs. Die Mädchen folgten ihr auf den Schritt mitten durch die Willenlosen, die über das Grundstück streiften. Einmal kam Isabelle einer dieser grauhäutigen zu nahe, worauf sie den Rest seiner Menschlichkeit witterte, sich wandelte und ihn anfauchte, doch Angelina hatte sie fest bei der Hand und zog sie wortlos an sich, worauf es wieder gut war. Momo öffnete unaufgefordert die Tür, als hätte er Claire erwartet. "Wo ist Master Kilian?", fragte sie. Momo sah sie überlegend an, wenn er es überhaupt vermochte, vielleicht war es der Zweifel, seinem Master in den Rücken zu fallen. Die Frage nach dem, was mehr wog, die Treue, oder die Liebe zu Claire, doch dann antwortete er: "Der Master ist ausgefahren, es sah aus, als bereite ihm etwas Sorgen." Claire entging Momo's Unentschlossenheit nicht, also strich sie ihm über den Kopf und sagt:"Gut gemacht, mein Freund!", während sie eintrat. In Momo's Gesicht schlich sich ein Lächeln und er folgte ihr übereifrig, fragte:"Soll ich aufpassen, wann Master Kilian wiederkommt?" "Ja, das ist eine gute Idee und behalte im Auge, wen oder was er mitbringt!", baute Claire ihn weiter auf. Der Hunger der Mädchen wurde immer unerträglicher, sie krümmten sich schon oft vor Schmerz und als die im Roten das sah, sagte sie:"Ich weiß, es schmerzt, ist ein Gefühl, als wenn es euch in der Mitte zerreißt! Aber haltet noch ein klein wenig durch, denn jetzt brauche ich euch! Für eure Mum! Und nun sollten wir uns etwas einfallen lassen, bevor Kilian hier auftaucht! Schert aus, durchsucht alles, lasst euch inspirieren, ihr seid Frauen!" Die Mädchen gehorchten wortlos und angestachelt von Claires  Worten, durchstreiften sie die Räume nach allem Brauchbaren, wenngleich sie nicht wussten, was das eigentlich genau sein würde. Angie fand sogar ein paar Samurai-Schwerter, die auf dem Kaminsims einen Platz hatten, dachte erst die seien nur Dekoration, doch als sie eines in der Hand hielt, spürte sie die ausgewogene Balance, sah die filigrane Arbeit an Griff und Klinge. "600 Mal gefalteter Stahl und in Handarbeit von einem japanischen Schmiedemeister um das Jahr 1400 hergestellt und der Griff ist mit Rochenhaut überzogen, hat der Count mir unzählige Male und mit Stolz erzählt. Er liebt Hieb und Stichwaffen, weil diese auch ihm gefährlich werden könnten, im Gegensatz zu Schusswaffen. Seine Selbstheilung ist für diese kleinen Geschosse zu effizient.", kommentierte Claire Angelinas Faszination.
Isabelle kramte in den Küchenschubladen, lächelte als sie eine Rolle Folie fand und Jessy versteckte etwas in ihrer Hand, als Momo plötzlich hereinstürmte und ganz aufgeregt mit den Armen fuchtelte. "D..d..d der Graf!", stammelte er und wies dabei zur Haustüre. Ja, jetzt hörten auch die Ladys den Wagen vor der Tür, die Stiefel auf der Veranda und versteckten sich schnell in der Speisekammer, die die nächste Tür bot. "Beeil dich Priester! Triff deine Vorbereitungen, du weißt wo du was findest!", hörten sie Kilian deutlich sagen. "Momo!", rief er jetzt. "Ja Master! Ich bin hier Master!", sagte der Lakai als er wieder scheinbar aus dem Nichts hervorkam. "Ist Lady Claire schon angekommen?", fragte der Count und blickte ihm streng ins Gesicht. "N..n...n Nein, Master", erwiderte Momo eingeschüchtert. Der Graf bemerkte, dass Momo log, zu gut kannte er ihn und wenn er jetzt die Zeit gehabt hätte, hätte er ihn getötet, einfach zerrissen, wie das Gebein aus einem Hähnchen. Stattdessen wandelte er sein Gesicht in eine Fratze und fauchte, worauf der Diener sich winselnd auf den Boden warf. Verärgert ging Kilian jetzt ins Herrenzimmer, wo der Voodoo-Priester die Puppen mit Stofffetzen der Kleider von den Mädchen drapierte und dabei seltsame Worte murmelte. Auch von Claire hatte der Graf noch die Kleidung aus der Zeit vor ihrer Verwandlung. "Ich hoffe du bist fertig, Mann!", kam vom Grafen mit eindeutigem Zorn. "Die Damen sind bereits anwesend!", erklärte er sich noch. "Ja, fertig!", sagte George während er sich noch eine lange und spitze Nadel aus dem Hut zog. "Und nicht dass du sie mir tötest, schwarzer Mann! Du sollst sie nur einschränken! Ich werde sie töten, wenn sie sich mir nicht unterwerfen!", gab Kilian nochmal zu verstehen, als er sich mit den Händen auf dem Rücken herrisch vor einem der Fenster platzierte, um die Damen zu erwarten.

"Also, Kilian kann höher schweben, hat eine bessere Selbstheilung und auch mehr Kraft. Wir sind aber schneller, zu viert und auch sicher gerissener als er. In letzter Instanz sind wir auch noch zäher, denn sein Fleisch ist weicher, erschreckt also nicht, wenn ihr ihn verletzt. Zusammenhalten, das verschafft uns einen großen Vorteil!", erklärte die im Roten vor der Tür des Herrenzimmers. Dann betraten sie den Raum.
"Nun, ich habe euch erwartet! Ich hoffe ihr habt keine Dummheiten im Sinn", sagte Kilian. "Heute wirst du für alles büßen, was du mir, unserer Liebe und auch diesen Mädchen angetan hast, „Geliebter“!", zischte Claire und man merkte wie viel  Wut sich in ihr aufgestaut hatte. "Überlegt es euch gut!", drohte der Count. "Ich bin nicht unvorbereitet, ihr werdet unterliegen oder sogar sterben. Und wie viel schöner könntet ihr es haben an meiner Seite. Macht und Unsterblichkeit, ewige Jugend und Schönheit!", ergänzte er noch. "Und was ist mit unserem Seelenfrieden? Mit den Menschen, die wir versklaven oder töten? Und was ist mit unseren Gewissen? Was nützen Macht, Jugend und Schönheit, wenn wir innerlich mit jedem unserer Opfer sterben? Ich wollte das nie und ich ertrage es auch nicht mehr!", schrie Claire und stürmte blitzartig auf den Grafen zu. Der Priester reagierte und stach der Puppe, die Ihre Kleiderfetzen trug mit der Nadel ins Bein, worauf Claire stürzte. Doch hatte sie so viel Energie, die sie vortrieb, dass sie Kilian noch krachend aus dem geschlossenen Fenster stieß. Die Mädchen standen wie versteinert da. Momo, der hinter dem Priester mitbekam, wie dieser seine Lady verletzte, nahm den Schürhaken vom Kamin und zog ihn dem Priester wütend über den Schädel, der dann blutüberströmt zusammenbrach. Der Geruch des Blutes, den die Ladys sofort wahrnahmen, ließ ihre Gesichter sogleich in Fratzen wandeln, ließ sie sich vergessen. Claire bemerkte das sofort und rief ihnen zu: "Zusammenhalten!! Für eure Mum!!" Nur unter schwerster Qual aber dennoch ließen sie ab, wandten sich wieder dem Count zu und sprangen nach Claire aus dem Fenster. Und jetzt fielen die Grauen über den Körper des Priesters her. Der Graf, mehr erschrocken als verletzt taumelte, was Isabelle sich zu Nutze machte und ihn jetzt mit der Cellophan-Folie attackierte. Sie wickelte die Folie rasend schnell um seinen Kopf, dass dem Count nur noch blieb, wild um sich zu schlagen. Er traf Isa nur einmal, das aber mit solch einer Wucht, dass sie gegen einen Baum schlug und regungslos in sich zusammen sackte. Jessyca blieb in diesem Augenblick fast das Herz stehen, sie brauchte aber eine Weile das zu registrieren, wo es doch sowieso so langsam schlug, aber die Wut die spürte sie sofort, jetzt stürmte auch sie nach vorn, doch so gradlinig, dass Kilian es kommen sah, sie an der Kehle packte und ihr mit einer Handbewegung und einem hörbarem Knacken das Genick brach. Ein Schock-Moment und Totenstille!...................Jessy's Körper fiel leblos zu Boden. Wut und Hass gewannen für einen Augenblick die Oberhand in den anderen beiden Schwestern, Bestürzung und Regungslosigkeit in Claire. Isabelle und Angelina verschwanden im Haus und die Dame in Rot, sicher, dass der Kampf verloren war, schnellte mit aller Wut und wie eine Furie gegen den Grafen, riss ihn zu Boden und seine Haut wo sie sie erreichte in Fetzen, bis Kilian auch sie wie eine Puppe wegschleuderte. Angie und Isa kamen wieder aus dem Haus, Eiseskälte in ihren Gesichtern, zogen sie je eines der Samurai-Schwerter hinter sich her, so dass diese an den Klingenenden Funken schlugen, wo sie die Steine berührten. Beide gingen eine andere Richtung um den Grafen herum, so konnte er nur eine von ihnen im Auge behalten. Blitzschnell waren ihre Attacken, doch Kilian konnte zurückweichen, aber dennoch zerschnitten sie hier und da seinen Gehrock. Sie bewegten sich, als wären sie Meister des Martial Arts, als hätten sie jahrelanges Training in der Kampfkunst gehabt. Dann sah Isabelle die Pfefferdose in Jessycas Hand am Boden, sie nahm sie an sich, zeigte diese hinter vorgehaltener Hand ihrer Schwester, die nur kurz nickte.  Angie griff den Count an, blieb tief, damit dieser sich nach unten konzentrierte, während Isa mit einem Salto über seinen Kopf sprang und ihm eine Ladung des Pfeffers in die Augen warf. Und als Kilian sich an diese griff, weil der Pfeffer seine Wirkung nicht verfehlte, schnellten ihre Klingen gleichzeitig und über Kreuz durch seine Arme und den Hals, trennten seinen Kopf ab, der wie ein reifer Kürbis auf die Erde fiel. Im selben Moment war Claire herangestürmt und rammte ihre Hand zwischen seine Rippen in das weiche Fleisch, riss ihm sein schwarzes Herz aus der Brust, worauf Kilian zu Staub zerfiel. Sein Herz schlug noch, als Claire etwas von seinem Blut in Jessys Mund tropfen ließ. Kleine elektrische Blitze waren auf der Haut ihres Halses zu sehen, ihr wunderschönes Gesicht flackerte zwischen diesem und der Fratze des Vampirs, bis sie zu husten begann und die Augen öffnete. Angie und Isa, wirkten, als hätte man sie geohrfeigt. Ihre eben noch kalten und verbitterten Gesichter weichten schlagartig auf und Tränen der Freude und Erleichterung rannen über diese, als sie Jessycas Reanimation zu begreifen begannen. Hemmungslos weinten sie, mit ihren Köpfen auf Jessys Brust, ergaben sich dem Gefühls-Karussell von Liebe, Freude, Glück und Unverständnis, als sie dann das Röcheln von Claire vernahmen. Von der Schönheit im roten Kleid, war nicht mehr viel übrig geblieben. Sie lag nun selbst auf den Steinen, ihre Haut war aschfahl, das Gesicht eingefallen und das eben noch so prächtig schwarze Haar schon ganz grau. Kilians Herz in ihrer Hand war bereits zu Staub verfallen und nun ging es auch mit ihr zu Ende. So auch die Grauen, die rings um zu Boden stürzten und nach und nach zerfielen, einer schneller als ein Anderer. Es hing wohl davon ab, wie lange sie schon gottlos wandelten.
Claire hatte erreicht, was ihr am Herzen lag, endlich in Frieden zu ruhen, nicht mehr ihr Gewissen zu malträtieren, als Monster zu existieren. Als Bonus noch dieser Dynastie ein Ende zu setzen. „Ich habe Kilian wirklich geliebt!“, sprach sie nur noch leise zu Jessyca, die inzwischen ihre Hand hielt. „Er war ein guter Mensch, als er noch ein Mensch war. Seine Fähigkeiten und die Macht hatten ihn geblendet, sein Herz hinab gezogen in die Dunkelheit. Und war ich zu guter Letzt auch eine von der Dunkelheit Getriebene, habe ich weder Herz noch Gewissen verloren und bin stolz Euch kennengelernt zu haben. Ich verstehe auch, was Kilian in euch sah und dass er sich dessen bemächtigen wollte, vielleicht weil es das war, was wir einmal hatten – Liebe!“ „Sch….“, sagte Jessy in ganz sanftem Ton und bemerkte über dies, dass „Der Klang der Stille“ verschwunden war. „Wir wissen wer und was du bist, Claire, du warst nie ein Monster! Und auch wir sind stolz dich kennengelernt zu haben, Liebes!“ Claires Gesichtszüge klärten sich, wirkten friedlicher und sie sagte noch, bevor sie es nicht mehr könnte: „Etwas Geld und eure Sachen liegen im Sekretär des Herrensalons. Wir sehen uns auf der anderen Seite.“, raunte sie noch, als sie in sich zusammenfiel. „Ja, wir sehen uns auf der anderen Seite!“, flüsterte Jessyca betroffen, weinte auch und sah, wie der Wind Claire ein letztes Mal küsste, bevor sie verschwand

Donnerstag, 30. Juli 2015

Dark Town

Seit nunmehr zwei Stunden zickt meine Yamaha Intruder schon rum. 
Hat Zündaussetzer, läuft irgendwie nicht rund. Sonst ist es eigentlich 
immer Victorias Harley, die ihre technischen Macken zur Schau stellte. 
Aber jetzt, während unserer Schottland Tour zeigt sie offenbar ihr 
wahres Terrain,  - die Langstrecke.
Es regnet nun schon drei Stunden ununterbrochen und das Leder auf 
unseren Körpern ist nass und schwer, als ich kurz absteige um zu 
sehen, ob das Problem nicht vielleicht doch offensichtlich wäre. 
Während dessen reiße ich unentwegt am Gashebel um die Maschine 
nicht gänzlich absterben zu lassen. Wer weiß, vielleicht spränge sie 
dann gar nicht erst wieder an.
Victoria kommt jetzt längsseits, sie scheint geradezu zufrieden ob der 
Tatsache, dass nun ich es bin, der mit einem Malheur zu kämpfen hat. 
„Dort hinten ist eine Ortschaft!“ übertönt sie den Lärm der Krafträder. 
Ich erhebe mich, blicke Fassungslos in die Richtung, die sie mir weist. 
Warum zum Teufel habe ich das vorhin nicht gesehen? Ich hatte doch 
extra darauf geachtet, nach einem Ort gespäht, der Trockenheit und 
die Möglichkeit zu einer Reparatur brächte. Und jetzt, wie aus dem 
Nichts, ist es da. Egal, -  „Hast du deine Schwester erreicht?“, frage 
ich genau so laut zurück. „Nein, Catherine ist schon seit Stunden 
nicht erreichbar. Und hier….“, sie kramt ihr Handy aus der 
Jackentasche. „Hier habe ich kein Netz!“, fährt sie leicht verärgert fort. 
"Verdammt!", fluche ich. Wir hatten ihr doch versprochen uns regelmäßig
zu melden und unsere Position durchzugeben. Aber andererseits, 
was sollte ich ihr schon sagen, selbst das Navi zeigte lediglich einen 
namenlosen Hochpass an.
Ich hebe meinen Arm und weise Vicky so an, mir zu folgen.
Je näher wir dem Ort kommen, desto düsterer scheint der Himmel zu 
werden, dabei ist es erst später Nachmittag. Und als wir am Rande 
der ersten Häuser stehen stockt uns der Atem, friert ein, in unseren 
Kehlen. Da hängt ein Mann, aufgehängt an seinen Armen und seinem 
Nacken, als wolle er fliegen, an einem Lastenaufzug eines alten 
Warenhauses. Auch der Rest der Straße wirkt wie aus einem alten 
Boris Karloff – Klassiker, sprich Frankenstein. Ist ausgestorben, 
keine Menschenseele, wenn man von dem armen Tropf, der dort 
über der Straße hängt einmal absieht. – Wobei, das mit ihm und 
der Seele ja fragwürdig bleibt. -  Nicht das kleinste Anzeichen auf 
Leben und mir krampft sich das Herz zusammen. Verfallene Fassaden,
zerschlagene Fenster, die schwarzen Schatten der überhängenden 
Dächer und vertieften Eingänge wirkten bedrohlich. Bis hier her sind 
wir durch schönes und sattes schottisches Grün gefahren, doch in 
diesem Ort tragen die Bäume keine Blätter, hält sich alles in 
verschiedenen Tönen von schwarz, bisweilen auch eine Reflektion 
vom Regenwasser auf dem Straßenpflaster. In der Luft liegt ein 
modriger Geruch, mag sein, dass ich es mir nur einbilde, aber es 
riecht auch leicht wie….“nasser Hund“. Und immer noch fällt der 
Regen wie in Bindfäden aus dem dunklen Grau des Himmels.
Meine Maschine ist längst abgestorben und auch Victoria hat ihre 
abgestellt. „Das ist bestimmt eine Filmkulisse!“, sagt sie mit 
fassungslos geöffnetem Mund, was ich sogar durch ihren Helm 
sehen kann. Ja – Das ist meine Vicky! Auch in den schwärzesten 
Abgründen noch eine Erklärung parat, die ihren Gut-Glauben in 
die Menschheit untermauert. Doch auch ich lasse mich gern auf 
diese Erklärung ein, weil jeder andere Gedanke viel zu absurd und 
phantastisch zu sein scheint. Wir sind ja schließlich nicht mehr 
im Mittelalter!
Wir schieben unsere Bikes die Straße entlang, unter dem 
vermeintlich Gehängten hindurch und wir können es beide nicht 
lassen, eben diesen noch einem genaueren Blick zu unterziehen. 
„Verdammt gut gemacht!“ zische ich durch meine Zähne. Seine 
Augenhöhlen sind nur noch schwarze Löcher, auf seiner nackten 
Brust prangt eine Riesige Narbe im Y-Schnitt, wie er bei 
Obduktionen durchgeführt wird. „Filmkulisse“, flüstere ich mir 
leise vor. Will aber auch keinen Gedanken mehr daran 
verschwenden, denn andere Optionen lassen mich bis ins Gebein 
erschaudern.  Victoria bleibt abrupt stehen, zieht ihr Bike auf den 
Ständer und nimmt jetzt auch ihren Helm ab. Ihr langes Haar fällt 
ihr auf die Schultern und umrahmt ihr hübsches Gesicht, das 
Funkeln in ihren Augen gibt mir Zuversicht. „Da, Baby! Schau! 
Ein Gasthaus, oder sowas.“ Ich folge mit meinem Blick ihrem 
ausgestreckten Finger und sehe tatsächlich auch etwas 
schummriges tanzendes Licht, wie von einer Petroleumlampe 
oder einem Feuer hinter einem der Fenster. Und dort, wo das 
vermeintliche Gasthaus steht, wirkt der Himmel auch etwas heller. 
Doch je näher wir diesem Gebäude kommen desto dunkler wird es, 
Stimmen werden lauter, aber kein Wort erkennbar. Entweder ist 
dies die seltsamste Sprache der Welt, oder es sind einfach nur Laute. 
Wir stellen unsere Maschinen neben zwei andere, die allem 
Anschein nach schon etwas länger hier stehen, es sieht jedenfalls 
so aus, als wären diese schon lange nicht mehr bewegt worden, 
was mein Vertrauen gegenüber diesem Ort nicht gerade fördert.
Die schwere Holztür hat keinen Griff, also stoße ich sie einfach auf 
und sie gibt mit einem gespenstigen Knarren nach, öffnet sich und 
gibt uns den Blick in einen spärlich beleuchteten Schankraum frei. 
Ein faulig süßer Geruch und der von Alkohol beißt mir in der Nase. 
Ich sehe dass auch Vicky die Ihre rümpft. Keiner spricht, keiner sieht 
uns an, nur verstohlene Blicke über die Schultern, verlegenes 
Räuspern. Ich nehme Victorias Hand und wir gehen direkt zum 
Tresen. „Two Ale’s plaese!“, sagte ich und versuchte dabei betont 
sicher zu klingen. Die Bardame trägt eine Augenklappe und eine 
riesige Narbe ziert ihre Stirn, was vielleicht ihre Lethargie erklärt. 
Sie bewegt sich wie in Trance. Ich ziehe Vicky an der Hand an meine 
Seite, ich will sie im Auge behalten, denn mein Unwohlgefühl stieg 
gerade unermesslich. Ich griff nach dem Glas, als ich plötzlich einen 
schweren Schlag auf dem Hinterkopf verspüre und es dunkel um mich 
wird.
Als ich wieder zu mir komme, liege ich in Ledermanschetten an Armen 
Beinen und Hals auf einen Tisch geschnallt und an Geräten 
angeschlossen. Hektisch und voll von Sorge drehe und wende ich mich, 
um den Verbleib von Victoria zu klären. Ich sehe sie nicht! In diesem 
Moment betritt ein älterer Herr zu meinen Füßen und  in einem weißen 
und blutverschmierten Kittel, den Raum. „Nun, was haben wir denn 
hier?“ sagte er fast schon neckisch. „Zwei Nieren, ein Herz und eine 
Lunge, wie ich das sehe. Und wer weiß was noch so brauchbar ist!“ 
Plötzlich fällt mir der Kerl am Flaschenzug wieder ein, ohne Augen 
und mit der Obduktionsnarbe. – Sie hatten ihn ausgenommen! 
Panisch schreie ich: Victoria!!  - Wo ist Victoria?“, zische ich den Mann 
im Kittel drohend an. „Ach Sie meinen sicher ihre hübsche Begleitung. 
Die liegt im Nebenraum und ist auch erst vor fünf Minuten wieder zu 
sich gekommen. Ach – Und danke, dass sie sie mitgebracht haben!“. 
„Die Augen des Mannes brauchen wir nicht!“, sagt er jetzt zu einem 
der beiden Männer, die am oberen Ende des Tisches stehen, grinst, 
dreht sich um und verlässt den Raum. Der Angesprochene grunzt nur.
„Wovon verdammt redet denn der?“ Ja, ich hatte Victoria überredet 
diese Tour durch das schottische Hochland zu machen. Sie wollte 
eigentlich in die Staaten und die Route 66 down-cruisen. Aber das 
konnte dieser Kerl doch nicht wissen? Oder hat er einfach nur ins 
Blaue geraten? Vicky hatte ihm das bestimmt nicht erzählt, denn das 
würde bedeuten, dass sie mich für diese Situation verantwortlich 
machen würde. Aber gerade das ist so gar nicht ihre Art. Sie ist immer 
stolz ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Sie hätte ja auch ablehnen 
können. Aber das tat sie nicht. "Ihre Entscheidung!" Das würde sie sagen! 
Wofür ich sie ganz sicher nicht weniger liebte.
Einer der Männer hält mir jetzt mit Daumen und Finger das Auge auf 
und ich bin überrascht von der wohl doch noch vorhandenen Feinmotorik 
dieses scheinbar geistlosen Sklaven. Er träufelt mir etwas hinein, es 
brennt, als wäre es Säure, auch höre ich wie es sich in mich hineinfrisst 
und schon ist es schwarz auf diesem Auge. Ich höre Victoria schreien, 
was mich nochmal all meine Kräfte sammeln lässt. Ich spanne meine 
Muskeln an und bäume mich auf, tatsächlich reißt der Riemen an 
meinem Hals. –



Ich sitze aufrecht in meinem Bett, der Schweiß brennt in meinen Augen. 
Adrenalin pumpt durch meine Venen, weshalb es nicht lange dauert, 
bis ich realisiere dass draußen gerade erst der Morgen dämmert und es 
in Strömen gießt. Und doch sehe ich mich nachhaltig erschrocken nach 
Victoria um. Dort liegt ihr Kopf im Kissen, das spärliche Licht lässt sie 
noch bezaubernder aussehen. Erst jetzt beginnt das Adrenalin abzubauen. 
Erleichtert sinke ich wieder ins Kissen, schaue in ihr zauberhaftes Gesicht, 
streife mit einem Finger eine Strähne zurück und lasse diese Bewegung 
mit der Hand auf ihrer Wange ausklingen. Noch etwa zwei Minuten sehe 
ich sie so an, bis ich wieder einschlafe.

©Wol N’Dawn 30.07.2015


Picture: unknown

Donnerstag, 13. November 2014

Ein neues Leben

Sie ist auch so schon eine atemberaubende Erscheinung und von 
solch einer natürlichen Schönheit, dass sie stets den Raum 
beherrscht, den sie betritt. Doch seit ein paar Monaten ist da noch 
etwas, etwas Unbeschreibliches in ihrem Gesicht. Eine Zartheit, 
wie von einem Weichzeichner, als wäre ihr das gesamte Wissen 
des Universums offenbart worden, in sich ruhend. Mit stolz 
erfüllter Brust gehe ich mit ihr spazieren, zum Einkaufen, Hand 
in Hand. Jeder kann sehen, soll sehen, dass sie zu mir gehört, zu 
mir allein! Und ich kann nicht anders, als sie immer wieder und 
lange anzusehen. Bis zu diesem ersten Krampf in der Küche, bei 
dem sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht nach vorne beugte, 
den Bauch hielt und sich zwischen Ihren Füßen eine Pfütze bildete. 
„Es geht los.“, sagte sie mit leichtem Entsetzen. „Hol den Koffer 
aus dem Schlafzimmer!“ Ich gehorchte und als ich wieder in die 
Küche kam, sah ich sie in aller Seelenruhe den Boden aufwischen. 
„Was soll das denn jetzt?“, fragte ich empört, griff ihr unter die 
Axel und zog sie zu mir hoch. „Das kann ich auch später machen. 
Du hast dein Fruchtwasser verloren, wir müssen ohne Umwege 
ins Krankenhaus.“, stellte ich fest. Und wieder beugte sie sich 
unter Schmerzen nach vorn und zischte: „Das weiß ich auch du 
Schlaumeier! Nur die Ruhe, das sind noch die Senkwehen.“ 
Nein, ich hatte wirklich keine Ahnung, sie aber auch nicht, 
dachte ich, denn schließlich war das auch IHR erstes Kind!
Die Nachtschwester an der Notaufnahme hatte die Ruhe weg, 
verstand sie nicht warum wir hier waren? War ihr die 
Dringlichkeit nicht bewusst? „Füllen Sie bitte dieses Formular 
aus.“, sagte sie ganz unbeeindruckt von meiner Hysterie und 
während Emily den nächsten Aufschrei von sich gab. Aber 
keine 2 Minuten später kam auch schon eine andere Schwester 
mit einem Rollstuhl, nahm Emily mit und scherte sich einen 
feuchten Kehricht um mich, tat sogar so, als sei ich gar nicht 
existent. Wie ein kleiner Junge lief ich einfach hinterher. Dann 
fragte die Schwester, als sei ich immer noch nicht anwesend, ob Emily 
gestatten würde, dass ich mit in den Untersuchungsraum dürfte 
und ob ich der Vater des Kindes sei. Mir verschlug es einfach 
nur die Sprache, zumal ich auch noch direkt daneben stand.
Auf dem Untersuchungsstuhl wurde Emily mit dem Wehen- 
Schreiber verkabelt, so dass wir die Herztöne des Babys, die 
sich anhörten wie ein Pferd im Galopp, hören konnten. Dann 
fingerte die Hebamme mit Latexhandschuhen, die sie nach 
dem überstülpen noch mal provokativ ans Handgelenk 
schnalzen ließ, im Unterleib meiner Frau herum und sagte: 
„Gut, wir machen ja schon Fortschritte. Der Muttermund ist 
schon auf die Größe eines 2-Euro.Stückes geöffnet.“ Und 
stellte fest, dass sie kurz vor den Presswehen sein würde. Also 
verlegte man sie gleich anschließend in den Kreissaal. Gänzlich 
nackt lag sie nun auf diesem Geburtsstuhl, nur mit einem Laken 
bedeckt, dass vom Hals bis zu den Knien reichte. Ein Stuhl 
stand für mich an der Seite, damit ich Beistand leisten und ihre 
Hand halten konnte. Kaum dass ich saß, schrie Emily auch 
schon wieder gegen den Schmerz an, worauf die Hebamme 
sagte: „Noch nicht, jetzt noch nicht pressen! Warten sie, bis ich 
es ihnen sage. Und atmen sie!“ Meine Frau atmete wie eine 
Dampflokomotive und ich erwischte mich dabei, wie ich 
plötzlich mit hechelte.  - Wieder eine Wehe. Emily drückte 
meine Hand – Autsch, wo verdammt hatte sie diese enorme 
Kraft her? Jetzt wimmerte sie auch nach den Wehen und 
bettelte endlich pressen zu dürfen. Man hatte sie ja gefragt, 
ob sie eine Spritze haben wolle, was sie aber verneinte, weil 
sie die Geburt ihres Kindes so natürlich wie möglich erleben 
wollte. „Ob sie das wohl jetzt bereute?“, schoss es mir durch 
den Kopf. Der Schmerz war brachial und kam in ansteigenden 
Wellen von der Mitte ihres Körpers bis in den Unterleib, wie 
sie mir später erzählte. Sie schwitze so stark, dass das Laken 
welches sie bedeckte sie um den Busen herum wie beim 
„Miss T-Shirt Contest“ aussehen und ihre Nippel durchscheinen 
ließ. Ihre Haare klebten an der Stirn und sahen aus, als ob sie sie 
nach der Dusche nicht ganz trocken gerubbelt hätte. Wieder 
ergriff sie die Pein und sie schrie mich jetzt an: „Du verfluchter 
Hurensohn! Das zahle ich dir heim! Du Wixer!“ Ich war 
vollkommen geschockt, da ich nicht einmal wusste, dass diese 
Worte zu Emilys Wortschatz gehörten. Und auch das 
schmerzverzerrte Gesicht, diese fast schon hasserfüllte Fratze, 
das war nicht meine Frau! Fühlte mich ein wenig, wie in dem 
Film „Der Exorzist“ und gleichzeitig so unendlich machtlos. 
Jetzt gab die Hebamme das Kommando zum Pressen, was die 
Situation für Emily auch nicht wirklich besser machte, denn 
immer noch beschimpfte sie mich und meine Hand war schon 
ganz blau. Das rhythmische Atmen wollte nun auch nicht mehr 
so richtig gelingen, dafür wurden ihre Schreie jetzt lauter und 
die Hebamme ermahnte sie wieder zum Hecheln zwischen den 
Wehen. „Ich kann das Köpfchen jetzt  schon sehen!“, sagte die 
Schwester, die der Hebamme zur Hand ging. Ich wusste nicht, 
ob sie das jetzt sagte um Emily zu beruhigen, oder ob das 
wirklich der Fall war, denn jetzt fing sie auch an zu weinen, 
wimmerte: „Nie wieder, nie wieder!“ Was sie noch sagen 
wollte, erstickte in der nächsten Wehe und ihrem beiwohnendem 
Schmerz. „Der Kopf ist draußen!“, sagte die Hebamme freudig. 
Die erste menschliche Reaktion dieser Person, so schien es mir. 
„Das Schlimmste ist nun vorbei.“, fügte sie noch hinzu. Und 
tatsächlich wartete sie noch eine Wehe ab, um das kleine 
„Würmchen“ ganz in ihren Händen zu halten, ließ es kurz an 
den Füßchen hängen, wischte schnell Mund und Nase frei und 
verabreichte einen zarten Klapps auf den winzigen Hintern, 
worauf das Kleine aus kräftiger Lunge losschrie. Mochte ja sein, 
dass die Hebamme etwas gefühlvoller durch diese Geburt hätte 
leiten können, aber ihre Erfahrung war ihr nicht abzusprechen. 
Jeder Handgriff saß!
Ohne das Baby jetzt von dieser „Käseschmiere“ zu befreien oder 
es gar abzunabeln, wurde Emily ihre kleine Tochter jetzt auf die 
nackte Brust gelegt. Die kleine hörte sofort auf zu schreien, als 
die Mutter zu ihr sprach: „Hallo meine Süße!“ und ihr dabei vom 
Glück überwältigt auf das noch verschmierte Köpfchen küsste. 
So nach und nach entzerrte sich Emils Gesicht und all der 
Schmerz, alle Qualen fielen sichtbar von ihr ab, wurden von 
Glück und Euphorie weggespült. Und da war es auch wieder, 
dieses Funkeln in ihren Augen, die auch noch feucht wurden, als 
ich sagte: „Ich bin so unglaublich stolz auf dich, mein Engel! 
Sie ist so wunderschön wie ihre Mama. Ich liebe dich.“ Und wenn 
sie jetzt auch wieder meine Hand nahm, war da diese gewohnte 
zierliche Zärtlichkeit in ihren langen schlanken Fingern.

Als sie das Baby jetzt für eine kurze Zeit, zum Waschen und die 
nötige Begutachtung wegnahmen und ich sah, wie Emily 
raubtiergleich und mit Argusaugen diese Prozedur überwachte, 
wurde mir klar, wie faszinierend dieses Arrangement der Natur 
ist. Aus dem tiefsten Schmerz und  dem höchsten Glück ein Band 
zu schmieden, wie es im Leben eines Menschen seines Gleichen 
sucht! Die Bindung zwischen Mutter und Kind!


© Wolf N’Dawn 13.11.2014         Picture: Marci Oleskiewicz