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Drive-By

Ich heiße Indigo Munyez, mein voller Name lautet Indigo Torres Santiago Munyez. Ich bin bei der Highway Patrol und war an diesem sonnigen Samstag-Vormittag auf der Route 66 im südlichen Nevada eingeteilt. Und um es vorweg zu nehmen, ich bin im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte! Ich fuhr also mit etwa 50 Meilen die Stunde auf der Route 66 Richtung Süden, als mich diese Frau langsam auf ihrer Harley überholte.  Ihre langen Haare flogen im Wind, sie sah zu mir rüber und lächelte, sie war bildschön und noch etwas, dass ich nicht beschreiben konnte war da, dass mir die Szenerie wie in Zeitlupe vorkommen ließ. Dann schwenkte sie kurz vor mir ein und für einen Moment verlor ich fast die Kontrolle über mein Bike. Der Fahrtwind trug mir ihren Duft aus reinsten Pheromonen zu, der in mir ein kolossales Feuerwerk auslöste, mir das Denken erschwerte. Ich sah, wie sie beschleunigte, der Abstand zwischen uns immer größer wurde und fühlte, wie sich mir das Herz verkrampfte, sich die Angst ausbreitete…

Sound Of Silence

Es war stockfinster, als Angelina ihre Augen öffnete. Sie musste husten und erschrak, als die im Reflex gehobene Hand direkt vor ihr an eine kalte Mauer schlug. Sie begann um sich herum zu tasten. Überall kalter Stein und ein durchweg muffiger Geruch, wie in einem feuchten Keller. In ihr begann sich schnell eine Panikattacke aufzubauen, worauf sie mit aller Gewalt gegen den Stein vor sich drückte, der dann überraschend leicht nachgab und mit lautem Krachen, gewichtig nach vorn und als ganze Platte wegfiel. Wirklich viel heller war es jetzt aber nicht geworden. Sie erkannte nur Konturen, doch je mehr sie sich anstrengte, desto mehr sah sie, als wenn ihre Augen sich langsam einstellen würden. Grünlich, alles wirkte grünlich, wie bei einem Restlichtverstärker und nach etwa eineinhalb Minuten sah sie fast wie am helllichten Tag. Sie befand sich wohl in einem Gewölbe, dass aus großen Felssteinen gemauert war. Der Boden bestand aus Sand den sie an den nackten Füßen spürte. Es gab keine Fens…

Dark Town

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Seit nunmehr zwei Stunden zickt meine Yamaha Intruder schon rum.  Hat Zündaussetzer, läuft irgendwie nicht rund. Sonst ist es eigentlich  immer Victorias Harley, die ihre technischen Macken zur Schau stellte.  Aber jetzt, während unserer Schottland Tour zeigt sie offenbar ihr  wahres Terrain,  - die Langstrecke. Es regnet nun schon drei Stunden ununterbrochen und das Leder auf  unseren Körpern ist nass und schwer, als ich kurz absteige um zu  sehen, ob das Problem nicht vielleicht doch offensichtlich wäre.  Während dessen reiße ich unentwegt am Gashebel um die Maschine  nicht gänzlich absterben zu lassen. Wer weiß, vielleicht spränge sie  dann gar nicht erst wieder an. Victoria kommt jetzt längsseits, sie scheint geradezu zufrieden ob der  Tatsache, dass nun ich es bin, der mit einem Malheur zu kämpfen hat.  „Dort hinten ist eine Ortschaft!“ übertönt sie den Lärm der Krafträder.  Ich erhebe mich, blicke Fassungslos in die Richtung, die sie mir weist.  Warum zum Teufel habe ich das vorhin nicht geseh…

Ein neues Leben

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Sie ist auch so schon eine atemberaubende Erscheinung und von  solch einer natürlichen Schönheit, dass sie stets den Raum  beherrscht, den sie betritt. Doch seit ein paar Monaten ist da noch  etwas, etwas Unbeschreibliches in ihrem Gesicht. Eine Zartheit,  wie von einem Weichzeichner, als wäre ihr das gesamte Wissen  des Universums offenbart worden, in sich ruhend. Mit stolz  erfüllter Brust gehe ich mit ihr spazieren, zum Einkaufen, Hand  in Hand. Jeder kann sehen, soll sehen, dass sie zu mir gehört, zu  mir allein! Und ich kann nicht anders, als sie immer wieder und  lange anzusehen. Bis zu diesem ersten Krampf in der Küche, bei  dem sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht nach vorne beugte,  den Bauch hielt und sich zwischen Ihren Füßen eine Pfütze bildete.  „Es geht los.“, sagte sie mit leichtem Entsetzen. „Hol den Koffer  aus dem Schlafzimmer!“ Ich gehorchte und als ich wieder in die  Küche kam, sah ich sie in aller Seelenruhe den Boden aufwischen.  „Was soll das denn jetzt?“, fragte ich empört,…