Posts

Es werden Posts vom November, 2014 angezeigt.

Ein neues Leben

Bild
Sie ist auch so schon eine atemberaubende Erscheinung und von  solch einer natürlichen Schönheit, dass sie stets den Raum  beherrscht, den sie betritt. Doch seit ein paar Monaten ist da noch  etwas, etwas Unbeschreibliches in ihrem Gesicht. Eine Zartheit,  wie von einem Weichzeichner, als wäre ihr das gesamte Wissen  des Universums offenbart worden, in sich ruhend. Mit stolz  erfüllter Brust gehe ich mit ihr spazieren, zum Einkaufen, Hand  in Hand. Jeder kann sehen, soll sehen, dass sie zu mir gehört, zu  mir allein! Und ich kann nicht anders, als sie immer wieder und  lange anzusehen. Bis zu diesem ersten Krampf in der Küche, bei  dem sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht nach vorne beugte,  den Bauch hielt und sich zwischen Ihren Füßen eine Pfütze bildete.  „Es geht los.“, sagte sie mit leichtem Entsetzen. „Hol den Koffer  aus dem Schlafzimmer!“ Ich gehorchte und als ich wieder in die  Küche kam, sah ich sie in aller Seelenruhe den Boden aufwischen.  „Was soll das denn jetzt?“, fragte ich empört,…

Im Schützengraben

Bild
Zuerst war da nur der Geruch von feuchter Erde, aber als die  Maschinengewehrsalven überall vor und hinter uns im Graben  einschlugen, vermischte dieser sich mit dem Geruch von Urin  und diesem typisch metallenem von Blut. Schlimmer war aber  der Lärm, den die feindlichen Mörsergranaten beim Einschlag  machten, die Maschinengewehre und auch der derer Kugeln,  die mit dumpfen Pfeifen in den Boden, oder mit einem Krachen  in unsere Abstützungen aus Holz schlugen. Diese Geräusche  zerrten an den Nerven und fütterten unsere Angst. Wir waren  30 Jungen in dieser Einheit und auch erst im Alter von 14 bis 16  Jahren, wollten voller  Enthusiasmus kämpfen für unser Vaterland,  doch hier und jetzt waren wir nur noch beseelt von unserer Furcht.  Einige standen in diesem Denken bis zu den ersten feindlichen  Granaten, andere bis die Reihen zwischen uns lichter wurden  und das erste Blut floss. Nur die Wenigsten unter uns kannten  einander, kamen vielleicht aus demselben Ort, doch im Großen  und Ganzen waren wir …

Poseidons Hass

Bild
Mein Name ist Steward Mc Flaherty und ich war der 1. Maat 
auf dem Viermaster „Renegade“ vor Kap Horn. Wir lagen 
hart am Wind, machten so 14 Knoten vielleicht auch 15 bei 
gutem Wind, als von achtern eine schwarze Wolkenfront 
heranzog und von einer Minute zur anderen auch den Himmel 
über uns in dunkles Grau bis in tiefes Schwarz färbte. 
Dabei wurden gerade erst 5 Glasen geschlagen, also 
ca. 18:30 Uhr und es war eigentlich noch helllichter Tag. Die 
See fing an zu toben und zu schäumen, bäumte sich auf und 
fing unter der der Wut Poseidons an zu kochen. Plötzlich schlug auch schon eine heftige Welle ans Heck, die 
den Kapitän aus seiner Kajüte scheuchte. Und während er auf 
das Deck stürzte, schrie er: „Klar zum Wenden!“, was aber 
offensichtlich im Getöse der See und dem Knarren der Planken 
unterging, denn die Reaktion der Crew blieb aus. „Klar zum 
Wenden!“ schrie jetzt der Steuermann, aus einer besseren 
Position, lauter und unüberhörbar, worauf jetzt auch ein klares 
„Aye aye Sir!“ zurückkam.…